Kameradschaft Hamm verboten

An diesem Donnerstag hat der NRW-Innenminister Ralf Jäger die „Kameradschaft Hamm“ verboten. Zeitgleich wurden ebenso die Gruppierungen „Nationaler Widerstand Dortmund“ und „Kameradschaft Aachener Land“ verboten. Nach Angaben der zuständigen Polizei Dortmund fanden in den frühen Morgenstunden Razzien in insgesamt 93 Wohnungen und Vereinsräume in Dortmund, Unna und Hamm statt. Darunter war in Hamm neben mehreren Privaträumen (u.a. eine bekannte Wohnung im Martin-Luther-Viertel) auch das Lokal an der Werler Straße 82. Das Lokal wurde mithilfe einer Spedition vollständig geräumt.

Durch die Recherchen der Antifaschistischen Aktion Hamm, der Antifa UNited und des haekelclubs 590 war gerade erst in der vergangenen Woche öffentlich geworden, dass die Kameradschaft Hamm und die NPD Unna/Hamm die Räumlichkeiten der alten Gaststätte „Melody“ an der Werler Straße nutzen. Der Vermieter hatte daraufhin den Mietvertrag fristlos gekündigt.

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„Das ist ein harter Schlag gegen die organisierte Neonazi-Szene in unserer Region“ – freut sich das antifaschistische Jugendbündnis haekelclub 590 über das gezielte Vorgehen der Behörden. Neben dem Verbot der Kameradschaft, wurde das Vermögen beschlagnahmt und das Tragen der Vereinssymbole verboten. „Dadurch kann der organisierten Hammer Nazi-Szene erstmal die Grundlage für ihre Taten entzogen werden,“ weist der haekelclub aber ebenfalls darauf hin, dass sich die Mitglieder erneut organisieren können oder neue Wege, wie den Gang in den Untergrund, einschlagen können.

Der haekelclub bringt das Verbot eben dieser drei Kameradschaften auch mit dem Untertauchen des bekannten Kölner Neonazis Axel Reitz in Verbindung. In Zusammenhang mit den Ermittlung über das kürzlich verbotene „Aktionsbüro Mittel-rhein“ (ABM) hatte Reitz und mehrere weitere bekannte Neonazis mit der Polizei zusammengearbeitet. In fast allen Internetforen der Nazi-Szene in NRW wurden diese daraufhin geächtet. Die Kameradschaft Hamm, die eine enge Verbindung zu Axel Reitz und dem ABM pflegte, hielt sich dazu auffällig bedeckt. Reitz war häufig Gast in Hamm und trat auch als Redner auf mehreren Naziaufmärschen auf. Zuletzt bei dem Aufmarsch am 1. Oktober 2011 in Heessen. „Wir können nur vermuten, dass bei diesen Ermittlungen genug Anhaltspunkte zu den Machenschaften der nun verbotenen Kameradschaften zu Tage gekommen sind.“

Arbeit muss weitergehen

„Mit dem Verbot werden zwar die Symptome des Problems bekämpft, aber die menschenverachtende Ideologie wird nicht aus Hamm, Dortmund oder den Köpfen der Menschen verschwinden,“ gibt der haekelclub 590 zu bedenken. “Die Arbeit gegen rechtes Gedankengut muss fortgesetzt werden. Die Mitglieder der Kameradschaft Hamm werden weiterhin hier wohnen und müssen weiter beobachtet werden. Auch der Alltagsrassismus, die Verbreitung von Vorurteilen und Antisemitismus sind in unserer Gesellschaft leider sehr weit verbreitet.“

Nach aktuellen Studien („Die Mitte in der Krise“, 2010) finden 35,6% der Bürgerinnen und Bürger Deutschland sei „überfremdet“, 17,2% finden den Einfluss von Juden zu groß und 8,8% würden eine Diktatur unserer Demokratie vorziehen. Laut der Antisemitismus-Studie des Bundesinnenministeriums von 2012 findet man bei 20-40% der Bevölkerung latent antisemitische Haltungen. „Bei solchen Zahlen, muss der Einsatz gegen Rechts immer weitergehen. Verbot hin oder her,“ so der haekelclub 590 abschließend. “Wir rufen JedeN dazu auf, in seinem und ihren Umfeld wachsam zu sein und gegen solche Vorurteile und Einstellungen einzuschreiten.”

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